Spielbericht: Turnier in Amberg

(Amberg) Der UBRC hat nach seinem Turniersieg in Würzburg an seine Erfolge anknüpfen können und in Amberg den zweiten Platz im zweiten Turnier der bayerischen Serie A / Aufbauliga erringen können. Mit großer Disziplin und Hingabe gelang der Mannschaft von Coach HP Höra und Captain Anthony Bigley bei winterlichem Wetter (1° C, Schnee) auswärts zunächst ein 33:0 gegen den Gastgeber. Im zweiten Spiel musste man sich dem Turniersieger Vilseck 3:26 geschlagen geben, nach dem man eine Halbzeit lang sehr gut mithalten konnte. Das Turnier wurde im 10er Modus ausgetragen, im Vorfeld gab es ein Training mit dem Lehrwart des Bayerischen Rugby Verbandes Peter Smutna.

Bereits am frühen Morgen (7.45 Uhr! 😉 )des vergangen Samstag, dem 27.10.2012, hatten sich die 13 Spieler sowie 6 Fans und Unterstützer am Bahnhof in Bamberg getroffen, um die eineinhalbstündige Anreise mit dem Auto anzutreten. Schon auf der Hinfahrt dämmerte es auch den letzten Optimisten: die Spiele an diesem Tage würden nicht bei allzu freundlicher Witterung stattfinden – vorbei an verschneiten Wäldern und auf nasser Fahrbahn führte der Weg nach Raigering, einem kleinen Ort bei Amberg, der seit kurzem die Heimspielstätte des neugegründeten Amberger Teams beherbergt.

Nach der Ankunft und dem gemeinschaftlichen Umziehen ging es hinaus aufs Spielfeld. Dort gab Peter Smutna mit einigen Assistenten den ca. 40 – 45 versammelten Ruggern eine Einführung in elementare Passübungen und wies in mehreren Ansprachen auf technische Feinheiten und notwendige Skills hin. Leider wurden die Spieler zwischendurch immer wieder kalt und es galt, sich auch im ersten Sinne des Wortes „warm anzuziehen“.

Nach Abschluss der gemeinsamen Trainingseinheit, in welcher auch erste Kontakte geknüpft und die gegnerischen Mannschaften schon etwas ausgekundschaftet werden konnten, gab es zunächst ein gemeinsames Mittagessen und um 13 Uhr erfoglte dann der Anstoß.

Im ersten Match trafen die Gastgeber auf den University of  Bamberg Rugby Club, der damit zu seinem dritten Rugby Union Spiel und dem fünften insgesamt antrat. Bereits in der Kabinenansprache hatte Head Coach HP Höra auf die eigenen Stärken und die Möglichkeit, mit drei starken Auswechselspielern viel rotieren zu können, hingewiesen, schwor die Mannschaft zum Teamplay und auf kluge, sinnvolle Aktionen ein und warnte vor den hochmotivierten Ambergern.

Unter den Augen der ca. 30 Fans und bei Schneefall eröffnete Emmet Gill, Bambergs neuverpflichteter Fly-Half aus Irland, die Partie. Schon früh im Spiel zeigte sich, dass sein koordinatives Eingreifen und die in den letzten Trainings von ihm vermittelten Spielzüge für die Gäste unverzichtbar waren. Im Spielaufbau glänzte auch Anthony Bigley, der, während Emmet das Spiel der Backs führte, vorne unter den Forwards Verantwortung übernommen hatte und Anweisungen erteilte. Gerade seine Erfahrung zahlte sich in den ersten Tacklings und auch auf dem Weg zur gegnerischen Try Zone aus.

Der Anfang der Partie (1 Halbzeit dauerte 15 Minuten) gestaltete sich noch ausgeglichen, bis die Bamberger dann endlich aufdrehten. Durch kluge und sichere Pässe und starkes Engagement im Ruck arbeiteten sich die Kulturstädter beständig nach vorne. Und so war es dann nur zwingend logische Konsequenz, dass HP Höra nach starkem Sprint die gegnerischen Reihen durchbrach und den ersten Versuch im Spiel (3. Minute) legen konnte. Darauf folgte noch der souveräne Kick zur 2 Punkte – Erhöhung von Emmet und die Bamberger hatten ein erstes Ausrufezeichen gesetzt.

Doch sollte dies nicht der einzige Höhepunkt in dem Aufeinandertrefen bleiben: nach starkem Lauf und Pass von Simon Moser, der erneut als Full Back und damit letzte Absicherung in der Verteidigung gestartet war, jedoch im Laufe des Tages über weite Strecken auch mit großer Wendigkeit und Spielübersicht glänzen konnte, war es Anthony Bigley, der zum 12:0 erhöhte.

Kurz vor Ende der Halbzeit hatte die Verteidigung der Amberger konditionell schon immer weniger den immer souveräner, ruhiger spielenden Bambergern entgegenzusetzen. Auch bei Ballverlusten schalteten die Gäste sehr schnell auf Defensive um und ließen im Verlaufe der gesamten Partie den Gegner nur dreimal ins eigene Spielfeld kommen. Eine Minute vor der Pause gelang dann unter großem Jubel unserer mitgereisten Damen und unseres Spielers Marius Nietfeld, welcher noch immer an einer Trainingsverletzung laborierte, ein weiterer Try durch Anthony. Schlüssel in dieser Phase des Spiels waren die guten Pässe und die spielgestalterischen Fähigkeiten von Simon Linder, der als Scrum Half die Verbindung zwischen den energisch arbeitenden Forwards und sprintstarken Backs hielt.

Durchaus zufrieden mit sich selbst gingen die Bamberger in die Pause, in der Emmet jedoch vor Überheblichkeit warnte. Bamberg begann auch konzentriert die zweite Hälfte. Gerade hier gelang es der Mannschaft, sich immer wieder selbst zu motivieren. „Durch das Gemeinschaftsgefühl, Disziplin und die Bereitschaft, alles für den Mann neben uns zu geben, haben wir technische Defizite ausgleichen können. Natürlich waren unter unseren Aktionen auch viele aus der Kategorie „nicht schön, aber selten“, vor allem aber ist es uns gelungen, effektiv nach vorne zu spielen und genau das umzusetzen, was wir uns vorgenommen hatten. Wir haben unser Feuer, unser Engagement eins zu eins in Punkte umgewandelt.“, sagte Loosehead Prop Hagen Schmidt nach dem Spiel.

Schon früh in der zweiten Spielzeit gelang es den Bambergern, das gegnerische Team in die eigene Hälfte zurückzudrängen. Als dann Simon Linder in der 22. Minute zu einem Sprint über das halbe Spielfeld ansetzte und wie ein routinierte Rugbyprofi ins Malfeld sprang und somit den vierten Try legte, waren auch die letzten Zweifel darüber, wer als Sieger vom Platz gehen würde, zerstreut.

Ein weiteres Highlight bildete ein souveräner Handoff an der Seitelinie, als Flügelspieler Julian Lucca Weiß auf dem Marsch nach vorne, den Ball sicher unterm Arm, seinen direkten Gegenspieler alt aussehen ließ, sich stark durchsetzte und erst ein paar Meter weiter nur mit Mühe gestoppt werden konnte.

Prop Benny Tüngethal meinte im Anschluss: „Mich hat gefreut, dass wir die Standards so sauber absolviert haben. Gerade das Line-Out, also der Seiteneinwurf, hat super geklappt. Anthony ist gestern noch mit uns alles durchgegangen und wir waren uns über Technik und verschiedene Varianten im Klaren, aber dass es so gut laufen würde, habe ich nicht erwartet. Wir haben ja bis auf zwei Line-Outs alle Bälle gewonnen. Unser Jumper David Euringer hat da ganz großen Anteil gehabt, hat um jeden Ball in der Luft gekämpft!“.

Zum Abschluss legte Anthony Bigley auch noch seinen dritten Try und bewies abermals, dass Bambergs selbstverständlich koordiniertes Zusammenspiel, aber auch individuelle Vielseitigkeit unbedingt Schlüssel zum Sieg sind.

Hervorzuheben waren auch die Erhöhungen von Emmet Gill, der vier von fünf verwandeln konnte und ein nahezu fehlerfreies Spiel ablieferte. Während im Anschluss Amberg und Vilseck die zweite Partie des Tages austrugen und zweitere mit den ermüdeten Gegnern verhältnismäßig leichtes Spiel hatten, sagte Bambergs Kicker: „Ich hätte nicht gedacht, dass mein Team derart souverän aufspielen würde. Ich weiß, dass die Jungs mit Eifer dabei sind und sehr schnell lernen. Aber unter Druck eine deratige Leistung zu zeigen, das habe ich im Laufe meiner Karriere bei keinem anderen deutschen Team bis heute gesehen. Ein Punkt, an dem wir noch arbeiten müssen, ist allerding noch die Kommunikation. Aber das kriegen wir hin“.

Im Anschluss mussten die Bamberger alles daran setzen, sich warm zu halten, da die Temperaturen weiter gefallen waren und mit Vilseck schließlich noch ein weiterer Gegner wartete.

Der Gegner, von den Coaches bereits während der Pause genau beobachtet, war sowohl physisch sehr präsent und wusste durch eine kontaktfreudige Spielweise zu überzeugen.

HP Höra sagte: „Uns war schon in der Pause klar, dass dieser Gegner der gefährlichere sein würde. Sie hatten einige richtig kräftige Jungs dabei, die sich weniger auf Pässe als auf den geraden Sprint nach vorn in den Gegner hinein verließen. Das hat gegen Amberg gut geklappt, wir ahnten also, dass sie es auch gegen uns versuchen würden.“

Als dann die dritte und letzte Partie durch den schottischen Schiedsrichter Daniel Calvert, der im übrigen souverän und fast fehlerfrei alle Partien leitete und immer wieder wichtige Hinweise gab, angepfiffen wurde, bestätigte sich dann der Verdacht: einmal auf dem Weg nach vorn, waren die amerikanischen Rugger nur schwer zu stoppen. Von den Coaches der Bamberger war daher schon vor Anpfiff als Strategie ausgegeben worden, den Gegner wirklich tief zu tackeln und auch gerade die großen Spieler so zu stoppen. Das Team vom UBRC setzte diese Devise auch lange erfolgreich um, brauchte jedoch auch einige Zeit, um sich an den neuen Stil zu gewöhnen. Gerade in den ersten fünf Minuten sah es lange nach einem sehr erschöpfenden, arbeitsreichen Spiel aus. Bamberg verteidigte lange Zeit in der eigenen Hälfte, konnte jedoch durch die erneut starken Kicks von Emmet Gill wichtige Meter machen. Angefeuert von den eigenen Fans gewann Bamberg Meter für Meter. Grund dafür waren auch die effizienten Tacklings, wobei sich Neuzugang Nicholas Corbieres aus Frankreich hervortat: bereits in der frühen Phase des Spiels brachte er mehrere Vilsecker zu Fall und war immer direkt im Spielgeschehen. Der diesmal von Beginn an spielende Erasmus-Student unserer Uni zeigte beherzten Einsatz und stoppte den Gegner in entscheidenden Situationen.

Mit einem Penalty Kick aus aussichtsreicher Position gelang Emmet Gill dann sogar die Führung zum 3:0 und die Spieler, zunehmend erschöpft, aber immer noch motiviert bei der Sache, schöpften neuen Mut. In der Folge gewann die gegnerische Mannschaft jedoch die Oberhand und krönte ihre Bemühungen mit einem völlig verdienten Versuch ihres Captains mit dem Halbzeitpfiff. Gerade in dieser Phase des Spiels kamen die aus Try und Conversion resultierenden sieben Punkte zum 3:7 als moralischer Dämpfer daher, doch gelang es Supportern und Coaches, die Mannschaft wieder aufzurichten.

In der zweiten Halbzeit jedoch zeigten sich dann erste Verschleißerscheinungen: Anthony Bigley musste zwischenzeitlich mit Wadenkrämpfen ausgewechselt werden, Simon Moser brauchte nach einer Glanztat in der Verteidigung gegen einen doppelt so großen Vilsecker ebenfalls eine Verschnaufpause. Auch hatten die Forwards konditionelle Probleme, während die Backs ihre vormals brillianten Pässe immer weniger an den Mann bringen konnten. Folgerichtig schenkten die Gegner den Bambergern nicht nur reinen Wein, sondern auch mehrere Tries in Folge ein, denen man nur noch wenig entgegensetzen konnte. Obwohl sich später noch einmal zwei gute Möglichkeiten zum Anschluss ergaben, blieben diese Chancen ungenutzt und Bamberg musste sich geschlagen geben.

Nachdem die Teams sich gegenseitig für die faire und kameradschaftliche Spielweise und einen tollen Rugbytag bedankt hatten, sagte Nicholas Corbieres: „Es war gut zu sehen, dass wir unsere Ziele weitestgehend realisiert haben. Dass es am Ende nur zu Platz zwei gereicht hat, ist schade, aber zu verkraften, zu mal wir viel in der letzten Partie gegen einen starken Gegner gelernt haben. Auf dem Training werden wir jetzt die Konsequenzen ziehen und weiter an unserer Technik arbeiten. Wie man in meiner Heimat sagt: „Rien ne sort de rien!“*

Und Tes Sefrin, die das Spiel von der Seitenlinie verfolgt hatte, fügte hinzu: „Ich glaube, den Jungs ist es gelungen, den Geburtstagskindern Vincent (Freitag) und Julian (Samstag) ein Geschenk zu machen, der Sieg war absolut verdient und sie haben sich auch im zweiten Spiel nie aufgegeben. Die Eleganz des Damen-Rugbysportes fehlt ihnen zwar, aber das machen sie mit ihrer Einstellung immer wieder wett.

An dieser Stelle möchten wir auch unserem Kameramann Raphael Reck danken, der beide Spiele für uns aufzeichnete und eine Spielanalyse im Nachhinein ermöglichte.

Wir freuen uns über diesen Erfolg, danken allen Mitgereisten für die tolle Unterstützung und sind stolz auf die gezeigte starke Mannschaftsleistung, die auf die großen Fortschritte im Training zurückzuführen ist. Sowohl die Spielzüge als auch das Zusammenarbeiten von Forwards uns Backs klappte über weite Strecken sehr gut. Wir werden jedoch weiter arbeiten, uns stetig verbessern und alles daran setzen, auch in den kommenden Spielen weiterhin guten Bamberger Rugbysport zu zeigen.

Für uns stehen auch weiterhin Dazulernen, Teamspirit und sogar Spaß im Vordergrund!

Last but not least möchten wir noch auf unsere traditionellen Auszeichnungen hinweisen und folgende Spieler hervorheben:

Player of the Day:

Simon Moser, der durch Wendigkeit überzeugte, alle gefährlichen Bälle einsammelte und einen Try großartig vorbereitete.

Dick of the Day:

Emmet Gill, der seine Rugbyschuhe vergaß, sich beim Gegner aber ein Paar ausleihen konnte.

*Von nichts kommt nichts. (Anm. d. R.)

(HS)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s