Spielbericht: Testspiel Bamberg gegen Würzburg/Amberg

Vor dem Spiel und siegeshungrig: die 20 Bamberger.
(hintere Reihe v.l.n.r. Christian Cuypers, Jonas Kindler, Benjamin Reder, Sebastian Vermaat, Hagen Schmidt, Colin Bruckner, Vincent Martens, Aaron Illes; mittlere Reihe v.l.n.r. Georg Höckner, Sascha Stuckmann, Max Schmucker, Benedikt Esser, LÜCKE, Constatin Zimmek; vordere Reihe knieend v.l.n.r. Otis Illert, Marius Nietfeld, Simon Moser, Julian Lucca Weiß, Peter Clerkin, Hanspeter Höra; es fehlt: Simon Linder)

Bamberg: Im ersten Spiel seit seiner Gründung hat der University of Bamberg Rugby Club einen hohen Sieg einfahren können. In einer umkämpften, aber fairen Partie gewann der Gastgeber verdient mit 76:8. Doch zu Euphorie und Siegestaumel mischte sich auch Wehmut.

Samstagnachmittag war es endlich so weit: das lange Warten hatte ein Ende, alle Spieler des UBRC hatten sich im Volkspark eingefunden und sogar die grauen Regenwolken, die noch am Vormittag über der Kulturstadt hingen, hatten sich verzogen. Alles sah nach einem großartigen Tag für den Rugbysport aus. Und wenngleich die Veranstalter mit der Anreise von Mannschaften aus Würzburg, Amberg und Nürnberg für ein Turnier im Rugby League gerechnet hatten und letztlich „nur“ 20 Sportfreunde aus Würzburg und Amberg da waren, sollte dies sich sogar als Vorteil herausstellen: nachdem unter Rücksprache mit Simon Cooper, dem extra aus Hamburg angereisten Rugbyveteranen und Schiedsrichter, schnell klar wurde, dass ein 9er-Turnier (jede Partie 2×15 Minuten) wenig Sinn ergeben würde, einigte man sich mit den Gästen schnell darauf, stattdessen ein richtiges Rugby League Match nach offiziellen Regeln (2×40 Minuten) zu spielen. Coach Daniel Blind aus Würzburg und die anderen Gäste bewiesen hierbei große Kooperation und Sportsgeist, schlossen sich zu einer Spielgemeinschaft zusammen und ließen sich innerhalb von nur einer halben Stunde in Sachen Rugby League auf den neuesten Stand bringen, da die angereisten Rugger fast ausschließlich auf Rugby Union Erfahrung zurückblickten und ihnen die „kleinere“ Variante und einige abweichende Regelungen noch nicht vertraut waren. Es folgte noch ein gemeinsames Warm Up und dann konnte es losgehen.

Bei schönstem Sonnenschein und unter den wachsamen Augen von ungefähr 30 Fans, die sich am Spielfeldrand eingefunden hatten, konnte der Kick-Off erfolgen.

Die ersten beiden Spielminuten zeichneten sich durch ein gegenseitiges Abtasten aus, doch schon bald war klar, wer die Anfangsphase der Partie bestimmen würde: binnen kurzer Zeit nämlich rentierte sich das lange gemeinsame Training der Bamberger und die vielen zusätzlichen Einheiten während des Sommersemesters. Unter dem Jubel der Fans durchbrachen die Gastgeber fast nach Belieben die gegnerische Defensive und konnten vor allem in Person von Colin Brügge und Benjamin Reder schnell punkten. Beide Backs kamen in der Partie auf jeweils 4 Tries (Try, auch Versuch genannt, bringt 4 Punkte ein, mehr dazu unter https://rugbybamberg.wordpress.com/rugbysport/ ) und trugen somit nachhaltig zum Erfolg ihres Teams bei.

Überhaupt zeichnete sich Bamberg im Verlaufe der Partie nicht nur durch seine Eingespieltheit, sondern vor allem auch durch seine schnelle Spielweise und die laufstarken Flügelspieler aus. Während Würzburg/Amberg zwar erfahrene Unionspieler in seinen Reihen hatte, glichen die Bamberger dies mit großem Einsatz und Laufbereitschaft aus. Auch in den Tacklings sahen die Gäste teilweise nicht souverän aus und konnten die Vorstöße der Bamberger nicht aufhalten. Oftmals gelang es gerade wendigen Außenspielern wie Jonas (3 Versuche), den Gegner abzuschütteln und mit letzter Kraft zu scoren.

Während sich der Trend im Verlaufe der ersten Halbzeit fortsetzte und Bamberg das Spielgeschehen dominierte, gab es jedoch noch früh in der Begegnung eine Schrecksekunde: Second Row – Spieler und Assitant Coach Hanspeter Höra verletzte sich bei einem harten Tackling, in welchem er den Gegner zu Fall brachte, jedoch mit diesem Kopf an Kopf zusammenstieß. Höra konnte das Spiel nicht fortsetzen, wurde ausgewechselt und musste in der Folge ins Krankenhaus gebracht werden. Dort wurde am Sonntag ein dreifacher Bruch der Augenhöhle diagnostiziert, die Operation erfolgt am Dienstag. An dieser Stelle möchten wir unserem Teamkameraden und Leistungsträger nochmals gute Besserung wünschen und hoffen, ihn schon bald wieder auf dem Spielfeld begrüßen zu können. Höra selbst stand jedoch schon am Wochenende wieder für unsere Fragen zur Verfügung und sagte: „Unfälle wie gestern kommen vor, sind in dieser Härte aber verschwindend selten. Solche Verletzungen passieren im Rugby, wenngleich aber gesagt werden muss, dass solche Knochenbrüchen eher Ausnahmen sind. Auf jeden Fall bin ich froh, diesen Sport in diesem Semester aufgenommen zu haben und freue mich, in diesem Team zu spielen. Auf die Leistung und den Einsatz meiner Teamkollegen sowohl im gestrigen Spiel als auch im Training bin ich sehr stolz.“

Trotz der Verletzung ihres Teamkameraden hielten die Bamberger die Konzentration im Spiel hoch und spielten dynamisch nach vorn. Besonders herzuheben ist der Umstand, dass trotz häufiger Wechsel kein Bruch im Aufbauspiel und in der Verteidigung entstand. Trainer Sebastian Vermaat, der die zweite Halbzeit der Begegnung als Schiedsrichter leitete, meinte anschließend: „Mir ging es heute darum, all die Dinge, die wir im Training besprochen haben, in die Tat umzusetzen. Mein Team hat diese Herausforderung glänzend gelöst. Wir hatten uns vorgenommen, viel zu wechseln und jedem genügend Spielzeit zu geben. Das ist uns gelungen und jeder einzelne von uns hat einen klasse Job gemacht. Ich freue mich sehr über diesen gelungenen Einstand.“

Nach einer ersten Hälfte, die von hohem technischem Niveau, guten Aktionen auf beiden Seiten, einer tollen Geräuschkulisse durch die Zuschauer und von nur wenig Unterbrechungen geprägt war, gingen die Teams bei einem Halbzeitstand von 44:0 in die Kabinen.

In seiner Halbzeitansprache ermahnte Coach Vermaat sein Team, nicht übermütig und leichtfertig in die zweite Hälfte zu gehen und verwies auf die Routine und individuellen Stärken einiger Spieler im gegnerischem Team. In diesem Moment nutzte dem Team auch die große Erfahrung einiger Teamkollegen, nicht zuletzt jene des irischen Centers Peter Clerkin, dem einzigen International im Team: „Die Jungs haben mich auch schon häufig im Training gefragt, was sie besser machen können. Ich habe in der Schulzeit sehr viel Rugby gespielt, schließlich ist es ja Nationalsportart bei uns. Auf jeden Fall hat sich das Team in so kurzer Zeit wahnsinnig gesteigert. Man hätte vermuten können, dass eine so junge Mannschaft, die erst wenige Monate zusammenspielt, ihr erstes Spiel haushoch verlieren würde. Aber wie man in meiner Heimat sagt: „Ní mar a shíltear a bhítear“*. Offensichtlich sind wir als Bamberger immer für eine Überraschung gut. Es hat richtig viel Spaß gemacht, mit diesem Team zu spielen.“

Zurück auf dem Rasen zeigte sich jedoch zunächst, dass die Sorgen des Trainers nicht ganz unbegründet waren: binnen kurzer Zeit gelangen dem Gegner zwei Versuche. Die Gastgeber ließen sich jedoch davon nicht aus der Fassung bringen und fanden sehr schnell zur Form der ersten 40 Minuten zurück. Nun waren es vor allem auch die großen, schweren Spieler, die sich fortwährend gut in Szene setzen konnten und häufig auch zum Abschluss kamen. So punkteten die Props Georg Höckner und Vincent Martens und hielten den Gegner weiter auf Abstand.

Die Partie, die im Übrigen ohne die üblichen Kicks in Standardsituationen (Straftritt, Erhöhung) in Ermangelung von Goalposts geführt wurde, gestaltete sich von nun an ähnlich wie schon in der ersten Halbzeit. Bamberg bestimmte konditionell und nun auch technisch das Geschehen und hatte ausgeruhte und hochmotivierte Spieler von der Bank.

„Wir haben heute für uns selbst, für unseren Coach, für unsere Uni und last but not least für unsere Fans gewonnen. Vielen Dank auch an unsere Mädels, die, obwohl, sie nicht spielen konnten, da waren und unsere Team unterstützt haben. Überhaupt war das heute ein ganz starker Zusammenhalt in der Mannschaft, ich freue mich auf die nächste Saison“, sagte Forward Hagen Schmidt nach dem Spiel.

Als der Schiedsrichter schließlich abpfiff, stand ein großartiges 76:8 zu Buche, ein Auftakt nach Maß und ein Sieg, der noch dazu unerwartet hoch ausgefallen war. Erschöpft, aber glücklich, bemerkte Hooker Marius Nietfeld nach dem Spiel: „Für viele von uns war das heute das erste Rugbyspiel überhaupt. Wir hatten einen anspruchsvollen Gegner, gegen den wir aber heute die richtigen Mittel fanden. Für die Motivation war das heute ein ganz wichtiger Sieg, ich hoffe, dass wir nächstes Semester genau da weitermachen, wo wir heute aufgehört haben“.

In bester Rugbytradition bedankten sich die beiden Mannschaften gegenseitig für ein sehr faires und abwechslungsreiches Spiel, wobei die Rugger aus Würzburg und Amberg die Gelegenheit wahrnahmen und die Gastgeber zu einem Rückspiel bei sich zu Hause einluden. In schöner Atmosphäre ließen dann die Bamberger gemeinsam mit ihren Gästen einen tollen Rugbytag ausklingen und freuen sich schon jetzt auf die nächsten Matches im kommenden Semester. Es besteht Grund zur Hoffnung, dass mit dem Spiel am Wochenende ein Stück Rugbygeschichte in Bamberg geschrieben wurde und wir uns in Zukunft auf viele spannende Partien in Bamberg freuen können.

Frankens Sportlandschaft ist um ein Team reicher und der Rugbysport in Deutschland weiter auf dem Vormarsch.

Wir wünschen abschließend allen Verletzten gute Besserung und freuen uns auf die nächsten Spiele.(HS)

Statistik

Collin Brügge 4 Tries, Benjamin Reder4, Jonas Jonathan 3, Georg Höckner 2, Sascha Stuckmann 2, Vincent Martens 1, Peter Clerkin 1, Benedikt Esser 1, Otis Illert 1

*Die Dinge sind nicht immer so, wie sie scheinen. (Anm. d. R.)

Coach und Forward Sebastian Vermaat marschiert, den Ball unterm Arm, in die gegnerische Defensive unter den Blicken der stets anspielbaren Teamkollegen Marius Nietfeld (2.v.l.) und Christian Cuypers.
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